"Ich male nicht das Ereignis - sondern das, was davon bleibt. Die Stille nach der Explosion, das Echo der Geschichte, den Schatten der Erinnerung."

 

 

In ihren bildgewaltigen schwarz-weiß Gemälden und feinen Zeichnungen entfaltet Marlini Wickramasinha eine malerische Sprache von seltener Konsequenz. Seit Jahrzehnten widmet sie sich jenen Momenten, in denen die Zeit für einen Augenblick stillzustehen scheint – den Sekunden nach der Explosion, der Leere nach dem Sturm, der Stille im Chaos. Sie malt nicht den Akt der Gewalt, sondern das, was davon übrig bleibt: Trümmerlandschaften, Splitter der Geschichte, eingefrorene Stille.

Was ihre Werke so kraftvoll macht, ist nicht nur das Motiv, sondern die Klarheit des Blicks. Ein Blick, geschärft durch ein langes, kompromissloses künstlerisches Schaffen, der nicht nach Sensation, sondern nach Wahrheit sucht. In einer Welt permanenter Bilderfluten wird ihre Malerei zum Gegenbild: entschleunigt, konzentriert und von einer Intensität, die tief berührt.

 

 

 

 

Die auf Grau, Schwarz und Weiß reduzierten Bildwelten zeigen keine blassen Schatten, sondern eine unendliche Palette an Nuancen. Wickramasinha macht das Grau zur Farbe der Stille – und die Stille zum Resonanzraum für Erinnerung, Verlust und Transformation. Die Titel ihrer Werke – Flak Berlin, 1945Pearl HarbourKampfjet über Syrien – verweisen auf reale Schauplätze, doch es geht ihr nie um die Chronik der Gewalt, sondern um deren poetische, zeitlose Nachbilder.

Ihre Malerei, entstanden im Dialog mit Pressefotos und dokumentarischem Material, sie dekonstruiert die Realität, um sie neu erfahrbar zu machen. So werden aus Fragmenten ganze Räume, aus Schweigen Bilder, aus Katastrophen Möglichkeiten.

Diese Ausstellung ehrt nicht nur das Werk einer Künstlerin, sondern auch die Haltung einer Zeitzeugin: still, klar und unbeirrbar – im Auge des Wirbelsturms.

Angesichts der gegenwärtigen Weltlage – vom Ukrainekrieg über den Gazakonflikt bis hin zu Klimakatastrophen und der allgegenwärtigen Bilderflut in sozialen Medien – erhalten Wickramasinhas Werke neue Relevanz. Ihre Malerei ist ein Gegenentwurf zur Überreizung durch Livebilder und Schlagzeilen. Sie entzieht dem Schrecken seine Sensationskraft, ohne ihn zu ästhetisieren. In einer Zeit, in der Bilder sekundenschnell zirkulieren und Katastrophen medial konsumiert werden, lädt Marlini Wickramasinha zum Innehalten ein – zur kontemplativen Betrachtung und stillen Konfrontation mit dem, was zurückbleibt.

Zur Künstlerin:

Marlini Wickramasinha, geboren 1934 in Sri Lanka, kam 1960 nach Deutschland und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seit den 1960er Jahren lebt und arbeitet sie in Köln. Im vergangenen Jahr wurde sie 90 Jahre alt – und hat bis heute nichts von der Kraft und Klarheit ihrer künstlerischen Sprache verloren. Ihre Werke, in kraftvollem Schwarz, Weiß und Grau gehalten, thematisieren Krieg, Zerstörung und das stille Danach – mit einer Tiefe und Konsequenz, die in der zeitgenössischen Kunstlandschaft einzigartig ist.

Trotz ihres kompromisslosen, kraftvollen Werks wurde sie bislang nur wenig gewürdigt. Diese Ausstellung möchte nicht nur ihr Werk sichtbar machen, sondern auch einer großen, oft übersehenen Stimme der deutschen Nachkriegskunst die verdiente Anerkennung geben.

 

 


Die Ausstellung The Aftermath wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Köln und der Bezirksvertretung Köln-Ehrenfeld. Der artrmx e.V. bedankt sich bei den Förderern für ihre Unterstützung.